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1 Stimme, 2 Gitarren, viel mehr braucht es nicht, um ihrem musikalischem Mikrokosmos Leben einzuhauchen: Nach zwei Alben mit ihrer damaligen Band Under 10 Moons („Serenade To Your Soul“ 1999, „Puzzle(d)“ 2002) und einem Ausflug ins A Cappella Genre bringt MANE seit 2012 ihre Musik in einer intimen Duo-Performance mit dem vielseitigen Musiker Dennis Lapp auf die Bühne. „Ihre Stimme hat Volumen, Wärme, Charakter, ein angenehmes, tieferes Wohlfühl-Timbre. Für reife Songs aus der Lebensmitte“, begeisterte sich der Musikkritiker Detlef Kinsler. Was die beiden jetzt im Studio gezaubert haben, ist eine Melange aus Singer-/Songwriter, Americana  und Folk, getreu nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Mane‘s warme Altstimme begleiten filigrane, in einander verschlungene Gitarrenmelodien, hie und da kommen ein melancholisches Klavier und spärliche Beats hinzu, machen Backgroundchöre und Twangwang-Gitarren den Sound fett. Es sind mal zuckersüße, mal dunkel-düstere Atmosphären, die die 13 Geschichten der CD „Von Wegen“ in passende Gewänder kleiden.

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Presse

WIE ALLES BEGANN…

Mane_USA Mane_USA_PoseDass die frühe Kindheit prägend für das weitere Leben eines Menschen ist, wusste nicht nur Freud. Und dass sie nicht zwingend nur Traumata hervorbringt, sondern durchaus freudvolle Erinnerungen birgt, davon kann
MANE gleich mehrere Lieder singen.  Es war zwar nur ein Jahr, das sie mit ihrer Familie in North Carolina verbrachte (da war sie 5, wurde 6), aber es sind sehr bildhafte Erinnerungen, „an ein anderes Leben, in das ich als Kind hineingeschmissen wurde.” Durham im Landesinneren, zwischen Atlantik und Appalachen, ist die Tabakstadt. J.D. Loudermilk, ein großer Sohn der kleinen Stadt, schrieb hier sein „Tobacco Road”. Der Mann hatte den Blues, war im Country zuhause, ein Folksänger, aus dessen Songpool sich auch Rock- und Popstars bedienten. Und damit sind die Koordinaten gesetzt, in denen sich auch Mane bewegt und wohl fühlt. North Carolina war – wenn zunächst eher unbewusst – „der erste Baustein zum musikalischen Werdegang“ (Mane). Aufgewachsen mit Simon & Garfunkel am Lagerfeuer, Klassiker wie Carole King, Carly Simon und James Taylor im Ohr. Englisch zu texten war für Mane natürlich und ganz normal als später erste eigene Stücke entstanden. Und die sang sie ohne ausgeprägten deutschen Akzent wie ihr Native Speakers immer wieder bestätigten.

UNDER 10 MOONS 1995-2003

cd_U10Moons_SerenadeSW U10Moons_Club2Der ersten Band mit 17 folgte 1996 das ambitionierte Projekt Under 10 Moons mit zwei Albumveröffentlichungen, „Serenade To Your Soul“ (1999) und „Puzzle(d)“ (2002). „Selten genug, dass junge, aktuelle Bands – zumal aus der eigenen heimischen Szene – zu wagemutigen Vergleichen verleiten. Under 10 Moons sind so eine Formation, deren Musik auf dem Album ,Serenade To Your Soul’ dank weiblicher Vocals, Piano, Cello und anderer schöner Klangerzeuger ganz aktuell an Tori Amos (…) UTMerinnern könnte“, stancd_U10Moons_PuzzledSWd schon zum Debüt in der Frankfurter Rundschau zu lesen, Fazit „akustische Groovemusik zum Genießen.“ Denn längst waren – neben den genannten US-Helden und Heldinnen – andere Musiker in ihr Leben getreten, nicht nur die von der FR erkannte Tori Amos, auch die Eurythmics mit Annie Lennox, Rio Reiser und Ton Steine Scherben, Genesis, Jeff Buckley. Diversität, die doch eine Klammer hat: das STORYTELLING.

FOR SOULS 2004-2008

ForSouls_By_E.Eckhardt_SW For-Souls_94_SWDenn Mane, die nach dem Aus für Under 10 Moons 2004 mit der A CAPPELLA-Gruppe For Souls dem Reiz des Zusammenklangs von vier weiblichen Stimmen erlag, aber mit dem Programm nicht nur die Kleinkunst-Szene bediente, versteht sich vor allem und zuerst als Songschreiberin. „Eigene Songs zu schreiben ist wie ein Lebenselexier. Bei Null anfangen, die gespannte innere Erwartung und Freude was kommt jetzt, das Ausprobieren, nicht zu wissen, was entstehen wird – das ist was es so essentiell für mich macht.“ Und das Ergebnis mit einem Publikum zu teilen, lässt den Familienmenschen Mane dann die heimische Couch verlassen, die Fragen, wie weit wage ich mich raus, wie viel gebe ich von mir preis, hinten anstellen und auf der Bühne dann auch den Part der Interpretin übernehmen.

SOLO IM STUDIO 2009

Aufnahme der Songs “Autumn In Me” und “Place For You” im Art of June Studio (piano: Matthias Vogt, bass: Andreas Manns, drums: Volker Schmidt), die Ihr hier hören könnt.

DAS DUO (AB 2012)

Mane_AW3 Als Sängerin lässt sie sich seit April 2012 von DENNIS LAPP begleiten, den sie seit Under 10 Moons-Zeiten kennt. Der kam auf einen Kaffee vorbei, weil sich Mane von ihm Tipps für einen Mitstreiter erhoffte. „Wir sind ins Schwätzen gekommen, ich meinte ich kann dir was vorspielen, er sagte, ich habe eine Gitarre im Auto, lass’ uns was probieren.“ Die Geburtsstunde des DUOS, denn der etatmäßige Bassist entpuppte sich auch als Gitarrenlehrer. Die neue Rolle ist eine echte Herausforderung für ihn.  Und er ist der kongeniale Partner für die Umsetzung ihrer Kompositionsideen. „Die Chemie stimmt einfach, wir kennen uns ja schon lange“, freut sich Mane. „Stimme und Gitarre ist was ich im Moment sehr schön finde, weil ich gemerkt habe, je puristischer, desto besser“, Erweiterung in Zukunft nicht ausgeschlossen, aber akustisch soll es bleiben.
Dennis_CarstenBredhauer
In den Texten geht es immer wieder um Wege, Wege, die man geht, Wege, die man nicht geht, Richtungen, die man ein- oder ausschlägt, Entscheidungen für und wider, Plan A, Plan B. Es sind Geschichten von ausweglosen Sackgassen und nervigen Pendlern, handfesten Herbstdepressionen und dem unerschütterlichen Glauben an die Liebe und den vielen kleinen einzigartigen Dingen, die das Leben so schön machen. „Es muss mit meinem Leben zu tun haben“, singt Mane auch gerne über Dinge, die sie an der Gesellschaft stören. Erinnerungen an den guten, alten Protestsong werden wach, aber eher augenzwinkernd. „Sonst wirst du sofort wieder in die Liedermacherecke gesteckt.“ In die will sie sich genauso wenig stellen lassen wie in die des Nu Soul oder die der Folk-Elfe. Als CD-Redakteurin des Online Musikjournals MELODIVA des Frauenmusikbüros in Frankfurt hört sie unglaubliche viele Sängerinnen mit zu zarten Stimme. „Da will ich überhaupt nicht hin, das bin ich nicht“, bezieht Mane klar Position. Nur vergleichsweise wenig Produktionen finden ihre Zustimmung, Sophie Hunger und Kat Frankie gehören zu den faszinierenden Ausnahmen von der Regel, sind echte Motivationen. „Weil sie eine eigene, sehr ausdrucksstarke Musik kreiieren, sehr kraftvoll und vor allem authentisch-eigenwillig“, schwärmt Mane.

Ihre Stimme hat Volumen, Wärme, Charakter, ein angenehmes, tieferes Wohlfühl-Timbre. Für reife Songs aus der Lebensmitte. „Die Kinder sind am groß werden, man hat mit dem Älterwerden zu kämpfen, orientiert sich neu“ – erwachsene Musik für emanzipierte Zuhörer. Songs als Solidaritätsakt. Und die sollen nun noch besser verstanden werden. Denn Mane, die früh und ganz selbstverständlich mit der englischen Sprache umzugehen lernte, hat endlich auch ihre Muttersprache entdeckt. Am Scheideweg fühlt sie sich angekommen. Mit „Geh fort“ wurde eine neue Tür aufgestoßen. „Ich habe total Lust drauf, eine eigene Sprache, meine Sprache zu finden.“

Text: Detlef Kinsler